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Umrisse eines Wir
Sieben Stücke für Chor und Orchester
mit Texten von Cyrus Atabay und George W. Bush
(ca. 17-19 Min.; komp. 2004; UA 2005)
Sopr-Blfl, Alt-Blfl, Picc, Fl, Ob, Klar, Alt-Sax, Ten-Sax, Fag - Horn
in F, Tromp, Pos -
Git, E-Baß - 2 vierhd. Klav., 4 Schlagz, Chor (SATB) - Str.
Evtl. können einzelne Instrumente durch andere ersetzt werden.
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Sieben Stücke - sieben verschiedene Weisen, miteinander zu musizieren - sieben Möglichkeiten, das gemeinsame Handeln
musikalisch-formal zu verstehen und gleichzeitig auf die sozialen Beziehungen untereinander rückzubeziehen. Die einzelnen
Stücke trennen dabei einerseits gewohnte musikalische Zusammenhänge auf, und zielen gleichzeitig auf ein Wiederfinden
in bestimmten musikalischen Qualitäten.
In dem 1. Stück, einer Klangfarbstudie, treffen sich Chor und Orchester in einem einzigen, fein umspielten Ton, einem d,
führen so ihre klanglichen Verschiedenheiten vor. Im Laufe des Stückes bewegen sich alle in individuellen Tempi,
über das ganze Stück gibt es einen sukkzessiven Aufbau, d.h. es musizieren nach und nach immer mehr Instrumente.
Das 2. Stück besteht aus elf Abschnitten, darin bewegen sich gleichbleibende Akkordklänge vom Chor ausgehend in ein
jedesmal anders kammermusikalisch ausgespartes Orchester. Die Bewegungsform wandelt sich dabei grundlegend: Der Chor musiziert
mit einem gemeinsamen (hier dirigierten) Tempo, die Instrumente des Orchesters in individuellem Tempo.
Das 3. Stück bringt im ganzen Orchester schnelle Tonwiederholungen gefolgt von einem stehenden Klang. Durch die individuellen
Tempi verschieben sich die Dichten, mal ist das gemeinsame Ergebnis flächig gefüllt, mal durchsichtig, insgesamt ein
prasselndes Orchestertutti.
Im 4. Stück wechseln sich kurze Orchesterteile mit Chor und Schlagzeug kammermusikalisch (ohne Dirigat) ab, verbunden sind
sie durch ihre Bewegungsform, eines aufwärtsgerichteten Laufes. Nur das Schlagzeug kontrastiert - allerdings sehr leise -
mit Streich- und Reibeklängen auf den Blechinstrumenten. Die Wechsel erfolgen individuell als Hörreaktionen auf die
Beendigung der vorherigen Teile.
Der 5. Teil, wiederum ein Tutti, beginnt mit einer flächenhaften Auftürmung von punktuellen Ereignissen, die sich
durch Verlängerung der in ihnen vorhandenen Pausen langsam voneinander trennen, so daß zunehmend einzelne Geräusche
und die instrumentalen und vokalen Klänge wahrnehmbar werden, aus denen die Mischung bestand.
Im 6. Teil vereinigt ein durchgeschlagenes Metrum alle und alles, es gibt nur noch die Masse, deren Einzelbild sich ständig im
einzelnen ändert, ohne eine durchgreifende Wandlung vollziehen zu können und ohne daß etwas Einzelnes dominieren kann.
Das hohe Tempo und die Massivität des Metrums macht dieses Stück zu einem bedrängenden, gewalttätigen
Hörerlebnis.
Das 7. Stück ist - wiederum im größten Gegensatz zum vorherigen Stück - ein schlichter vierstimmiger
Satz, der Chorgesang tritt in den Vordergrund, begleitet von einer wechselnden kammermusikalischen Besetzung ohne Schlagzeug.
Die sieben Stücke werden ohne Satzpausen in der vorgegebenen
Reihenfolge im Zusammenhang musiziert. In den Texten von Cyrus Atabay
habe ich eine so wunderbar genaue Poesie gefunden, die meinen
musikalischen Vorstellungen in einer Weise nahekommt, daß ich es wagen
konnte, den Bush-Text als Kontrapunkt dagegenzusetzen.
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Cyrus Atabay
(aus: “Das Auftauchen an einem anderen Ort“,
Frankfurt am Main 1977)
[zu Stück 2]
Willst du dir die Worte aufheben
zum Aufrechtgehen an buckligen Tagen,
so hülle sie ein
in schillernde Schleier
aus Zweifel und Zweideutigkeit,
damit kein Alltagsgebet sie erreicht,
oder laß sie ruhen
in Truhen aus Wacholderholz,
weit weg in einer verlassenen Heimat,
wo die Wacholderbüsche nicht zu entwurzeln sind
aus dem herben, steinernen Boden.
[zu Stück 4]
Wir aber wollen uns
an die Brüche halten,
es ist der veränderlichste Teil
unser einziger Teil,
selbst der Granit
traut seiner Härte nicht.
Mag sein,
daß sich ein Schalk
hinter den Vermummungen versteckt;
es wäre ihm nicht zu verdenken,
wenn er sein Haus
(müde der Aufdringlichkeiten)
duch die Hintertür verließe.
George W. Bush
(aus seiner Regierungserklärung vom 20. Januar 2002)
[zu Stück 6 - Im Stück ist der Text wortweise durcheinandergewürfelt.]
Our second goal is to prevent regimes that sponsor
terror from threatening America or our friends and allies with weapons
of mass destruction. Some of these regimes have been pretty quiet since
September the eleventh. But we know their true nature.
North Korea is a regime arming with missiles and weapons of mass
destruction, while starving its citizens. Iran aggressively pursues
these weapons and exports terror, while an unelected few repress the
Iranian people's hope for freedom. Iraq continues to flaunt its
hostility toward America and to support terror. The Iraqi regime has
plotted to develop anthrax, and nerve gas, and nuclear weapons for over
a decade. This is a regime that has already used poison gas to murder
thousands of its own citizens - leaving the bodies of mothers huddled
over their dead children. This is a regime that agreed to international
inspections - then kicked out the inspectors. This is a regime that has
something to hide from the civilized world.
States like these, and their terrorist allies, constitute an axis of
evil, arming to threaten the peace of the world. By seeking weapons of
mass destruction, these regimes pose a grave and growing danger. They
could provide these arms to terrorists, giving them the means to match
their hatred. They could attack our allies or attempt to blackmail the
United States. In any of these cases, the price of indifference would
be catastrophic.
Cyrus Atabay
[zu Stück 7]
Von anderer Dauer als Berge,
die wandern voll Ruhe
und unerschütterlich.
Eher eine Schneeflocke,
hingeweht und verzögert,
am Geglückten sich weitertastend,
unterwegs zu dem Treffpunkt
im Unendlichen.
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Uraufführung:
22. Juni 2005: Oldenburg;
Chor und Schulorchester der Liebfrauenschule Oldenburg,
Mathias Kroll
- Dir
weitere Aufführungen:
2. Juli 2005: Münster
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