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befreite Wurzel aus Erinnerung
Musik für fünf Ensemble-Gruppen
(ca. 10 Min.; komp. & UA: 1995)
im Auftrag von
oh ton - Förderung aktueller Musik in der Provinz
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Seit der Entwicklung des Computers hat es sich verüblicht, menschliches Erinnern mit dem
Speichern gleichzusetzen. Mein Verständnis von Erinnerung widersetzt sich dieser
Identifikation. Erinnerung ist die menschliche Fähigkeit, die Vergangenheit zu verdrängen,
sie auf die Gegenwart zu beziehen und mittels Vorstellungen, Visionen und Utopien die Zukunft zu
gestalten. Dieses Erinnern ist das wichtigste Element zum Verständnis von Musik - wenn nicht
überhaupt für unser Mensch-sein. Es stellt uns in eine physisch, emotional und
intellektuell bestimmte Situation, die subjektiv unterschiedlichste Erinnerungen bewirkt.
befreite Wurzel aus Erinnerung versucht die Möglichkeit gemeinsamer Erinnerung
musikalisch zu erforschen. Aus einer winzigen Keimzelle als gemeinsamer
Erinnerungssubstanz sind ereignishafte Variationen entwickelt. Diese sind für
jedes Instrument nochmals übersetzt in individuelle Muster. Die Ordnung der 16 Instrumente
in fünf Ensemble-Gruppen bezeichnet unterschiedliche emotionale Beziehungen zu der Substanz.
Diese selbst ist nur als subjektive Ausdeutung hörbar. Das Was ist zuerst vom
Wer abhängig. Je mehr Instrumente an der gespielten Version beteiligt sind,
desto verschiedenere Ausdeutungen ein und derselben Substanz werden hörbar. Die Regel,
daß maximal vier der fünf komponierten Ensemble-Gruppen zusammen spielen können,
deutet an, daß der Blick auf das Total subjektiver Erinnerung niemals möglich ist,
immer etwas fehlt. Der musikalische Diskurs ereignet sich in den Gesten Widerspruch und
Bestätigung, Abschweifen und Insistieren, Argument und Ablenkung. Gibt es eine
Annäherung, eine Klärung, eine Distanzierung?
Das letzte Fünftel des Stückes trennt die fünf bis dahin bestehenden
Instrumentalgruppen auf, jedes Instrument spielt bis zum Ende ohne zeitlich-rhythmische
Koordination für sich allein. Gleichzeitig bildet sich eine substanzielle Ordnung heraus,
die die Struktur zu einer gemeinsamen macht, ohne die individuellen Muster und ihre
Widersprüche aufzuheben. Die Substanz des Stückes wird, indem jedes Instrument zur
eigenen ungebunden-subjektiven Sicht gelangt, zu einer gemeinsamen Erinnerung. Die Erhaltung der
Widersprüche, der individuellen Erfahrungen, des Zweifels und des Aber
ist vielleicht die Voraussetzung, zu einem Wir zu finden.
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Vorpremiere:
30. Oktober 1995: Kulturetage Oldenburg, oh ton-Hörwerkstatt;
oh ton-Ensemble, Fassg. 7:
(1)
Dörte Nienstedt - Blfl,
Christoph Hansen - Sax,
(+ 2)
Anne Horstmann Fl,
Peter Löning - Git,
(+ 4)
Peter Naidenov - Kb,
Norbert Krämer - Schl,
Christiane Abt - Klav
Uraufführung:
12. November 1995: Altes Gymnasium Oldenburg; oh ton-Ensemble (2x): Fassung 23:
(1) Dörte Nienstedt - Blfl, Christoph Hansen - Sax, (+ 2) Anne Horstmann - Fl, Peter Löning - Git,
(+4) Peter Naidenov - Kb, Norbert Krämer - Schl, Christiane Abt - Klav,
(+ 16)
Didier Petit - Tp,
Anna McMichael - Vl,
Matthias Lorenz - Vc,
Axel Fries - Schl,
Margit Kern - Akk;
Fassung 8:
Martin Kratzsch - Clar,
Roel Smedts - Pos,
Rachel Evans - Va,
Eva Pressl - Hf
weitere Aufführungen:
15. November 1995: Kreishaus Hildesheim; oh ton-Ensemble s.o. (Fassung 25)
21. November 1995: Berliner Kabarettanstalt; oh ton-Ensemble s.o. (Fassung 7)
30. November 1995: Kulturzentrum Peter-Friedrich-Ludwig Oldenburg; oh ton-Ensemble s.o. (Fassung 13)
1. Dezember 1995: Glockenhaus Lüneburg; oh ton-Ensemble s.o. (Fassung 29)
27. Januar 1996: Sprengelmuseum Hannover, Tage neuer Kammermusik Hannover;
oh ton-Ensemble s.o. (Fassung 11)
22. Mai 1996: Tonhalle Düsseldorf;
notabu-Ensemble (Fassung 7)
6. Januar 2006: Kammermusiksaal der Musikhochschule Köln;
Johanna Klein - Blfl und
Katharina Stashik - Sax; (Fassung 1)
9. Juni 2007: Limoges, Frankreich;
Juliette Candela - Blfl und
Julien Bire - Sax; (Fassung 1)
26. Juni 2007: Conservatoire Versailles, Frankreich; (wie 9. Juni 2007)
Mitschnitt und Rundfunksendung:
12. November 1995: (s.o.) Fassung 23 + 8, Mitschnitt: Deutschlandfunk Köln
20. November 1995: Rundfunksendung Deutschlandfunk Köln, Fassung 23 und 8
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Nordwest-Zeitung vom 14. Nov. 1995, zum Konzert am 12. Nov. 1995
Löcher und stürzende Ständer
Uraufführungskonzert des oh ton-ensembles
im Großen Haus des Staatstheaters
von
Christiane Maaß
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Oldenburg. Den grandiosen Höhepunkt ihrer Vereinsarbeit erlebten gemeinsam mit Hunderten von
Zuhörern die Aktiven von oh ton im Staatstheater. Mit einem derartigen Ansturm
auf das Uraufführungskonzert des oh ton-ensembles hatte wohl niemand gerechnet.
(...) |
Leserbrief zu dieser Kritik: Nordwest-Zeitung vom 7. Dez. 1995, Leserforum
Verheerend für die Sache der Musik
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Rezension des Oldenburger Uraufführungskonzerts vom 12. November.
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